Herbert Malecha: Die Probe (Textanalyse) PDF Drucken E-Mail
Montag, den 26. Dezember 2011 um 20:08 Uhr
Textanalyse: Herbert Malecha - Die Probe

Mit der Kurzgeschichte „Die Probe“ aus dem 20. Jahrhundert möchte der Autor Herbert Malecha zur Aussage bringen, dass es uns unmöglich ist, unsere Identität zu verfälschen. In der Geschichte geht es um einen Verbrecher namens Jens Redluff, welcher zu Unrecht frei auf den Straßen einer grauen, regnerischen Hafenstadt entlangläuft. Mit einem gefälschten Pass wird ihm bei der vermeintlichen „Probe“ seine Täuschungs-Identität von Polizisten anerkannt, weshalb er sich danach frei und sicher fühlt. Fast schon übermütig verliert er nun aber die wahre, zweite Probe, bei der er sich als hunderttausendster Besucher eines Clubs in der Hektik selbst verrät.

Dass es sich bei „Die Probe“ um eine Kurzgeschichte handelt, wird dem Leser vor allem durch den raschen Einstieg ins Geschehen sichtbar. „ […] Mit zwei taumeligen Schritten war er wieder auf dem Gehweg. “ (Z. 2-3) – Damit gelingt Malecha nicht nur der schnelle Einstieg in seine Geschichte, er schafft es auch, den Leser von Anfang an zu fesseln. Wie für eine Kurzgeschichte üblich, schenkt Malecha dem Leser ein offenes Ende, das die Geschichte zwar abrupt beendet, aber den Leser zum Überlegen und Fantasieren anregt. So kann sich ein jeder selbst die Bedeutung der Überschrift erschließen, die meiner Meinung nach erst nach längerem Nachdenken über die Kurzgeschichte einen verständlichen Bezug ergibt.

Der Protagonist Jens Redluff wird von Malecha zu einer Figur gestaltet, auf die sich meiner Meinung nach jeder selbst projizieren kann. Redluff passt sich in verschiedensten Situationen an die Gesellschaft an – so ist er beispielweise ein Raucher und bietet den Beamten im Lokal Feuer an: „ „Feuer?“ Er fingerte eine halbe Zigarre aus der Manteltasche. “ (Z. 89-90) Des weiteren werden Redluffs Gefühle durch die Form des erlebten Redens vermittelt, was Malecha als passenden Ausgleich zum personalen Er/Sie-Erzähler wählt. Emotionen und Gedanken werden ebenfalls durch die Umgebung verdeutlicht, die beispielweise hektisch, störend und durchdringend auf Redluff wirkt. „Die Autos auf der Straße waren zu einer langen Kette angefahren. Nur stockend schoben sie sich vorwärts. Menschen gingen an ihm vorbei; kamen ihm entgegen; er achtete darauf, dass sie ihn nicht streiften. Einem Platzregen von Gesichtern war er ausgesetzt […].“ (Z. 19, folgende) Dies alles spiegelt das Empfinden Redluffs wieder, und so ändern sich Wirkung & Einfluss der Umgebung auch mit den Gefühlen des Protagonisten. „Langsam kam er wieder in belebtere Straßen, die Lichter nahmen zu […].“ (Z. 98) „Ihm war wie nach Sekt.“ (Z. 108) Damit schafft Malecha dem Leser ein Gefühl des Miterlebens zu geben und in der Geschichte zu fesseln.

Auch wir, zumindest ein Großteil der Leute, passen sich ständig an die Gesellschaft an – Es wird Kleidung aus der aktuellen Mode getragen, sogar die eigenen Interessen werden angepasst. Was viele dabei nicht bemerken: Umso mehr wir uns anpassen desto mehr verfälschen wir unsere wahre Identität. Herbert Malecha hat sich dies zur Kernaussage seiner Kurzgeschichte gemacht, und es gekonnt geschafft den Leser, wenn auch unbewusst, mit der Hauptfigur Jens Redluff zu identifizieren. Aus diesem Grund spricht „Die Probe“ jeden an, und bleibt bis zum Ende spannend.

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